Wie groß ist die Welt, die du nicht kennst?

In unserer letzten Arbeit im Johannislehrlingsgrad beschäftigten wir uns mit der Todsünde der Trägheit.

Dazu begegnet uns eine alte Geschichte:

Ein kleiner Frosch lebte glücklich in einem engen Brunnen. Für ihn war dieser Brunnen die ganze Welt. Er kannte nichts anderes – und gerade deshalb hielt er ihn für vollkommen.

Eines Tages kam eine Schildkröte vorbei. Sie erzählte ihm vom östlichen Meer: von seiner unermesslichen Weite, seiner Tiefe, den gewaltigen Wellen und den unzähligen Geschöpfen, die darin lebten.

Der Frosch konnte sich all das kaum vorstellen.

Denn was außerhalb seines Brunnens lag, überstieg seinen bisherigen Horizont.

Doch plötzlich erkannte er:
Seine Welt war nicht klein, weil die Welt klein war – sondern weil sein Blick klein geworden war.

Auch Trägheit kann uns auf diese Weise gefangen halten.

Sie muss nicht bedeuten, dass wir überhaupt nichts tun. Manchmal zeigt sie sich viel subtiler: darin, dass wir uns mit dem Vertrauten zufriedengeben, keine neuen Fragen stellen und unseren Geist nicht mehr über die Grenzen unserer eigenen kleinen Welt hinausführen.

Der raue Stein in uns wird nicht dadurch behauen, dass wir alles Vertraute zerstören. Vielmehr lernen wir, unsere eigenen Grenzen zu erkennen und unseren Blick zu erweitern.

Denn wer glaubt, bereits alles zu wissen, sieht nichts mehr, was jenseits seines Brunnens liegt.

Vielleicht beginnt Erkenntnis genau dort, wo wir den Mut finden, über den Rand zu blicken. 🔺